Das Französische in Flandern

Inhaltsverzeichnis

Analysiert wird die Stellung des Französischen in Flandern seit der Festlegung der Sprachgrenze 1962/63: Sprachgesetze, Territorialitätsprinzip, Fazilitäten-Gemeinden und Minderheitenrechte. Behandelt werden zudem Schule, Arbeitswelt und der Wandel vom dominanten Status zur heutigen Minderheitenposition im föderalen Belgien.

Inhaltsverzeichnis

  1. Die verschiedenen Sprachengesetze Belgiens
  2. Französisch in Flandern vor und nach 1962
  3. Die Sprachgrenze
  4. Die Fazilitäten-Gemeinden
  5. Die Französischsprachigen Flanderns
  6. Französisch in der flämischen Schule
  7. Fußnoten
  8. Quellen

 

Als föderaler Staat in Form einer konstitutionellen Monarchie ist Belgien ein zweisprachiges, sogar dreisprachiges Land unter Berücksichtigung der deutschsprachigen Minderheit, die sich an der deutschen Grenze auf wallonischem Gebiet gruppiert. Die Besonderheit dieses europäischen Landes ist die Tatsache, dass die Zweisprachigkeit es in zwei scheinbar völlig unterschiedliche große Regionen aufgeteilt hat, die kulturell und politisch nicht miteinander auskommen. Tatsächlich wurde Belgien durch eine Sprachgrenze geteilt, die das Königreich in zwei Teilen teilt. Flandern im Norden und Wallonien im Süden. In diesem Artikel wird der nördliche Teil dieses Königreichs angegangen und behandelt.

Ab dem Ende des Zweiten Weltkriegs verschwanden Angst und Bedrohung in der belgischen Bevölkerung allmählich. Harmonie und Gelassenheit wurden in diesem Land wiederhergestellt und ab diesen Jahren wurden relevante Entscheidungen über den Status der Sprachen in Flandern sowie in ganz Belgien getroffen und politisch sowie rechtlich umgesetzt. Vor allem ist es schon zu wissen, dass Französisch nicht nur in Wallonien präsent ist, wie viele bereits wissen, sondern auch in Flandern, sei es in der Vergangenheit, d.h. in der Zeit des einheitlichen Belgiens (Französisch war praktisch die einzige Amtssprache Belgiens), vor der Einrichtung der berühmten Sprachgrenze (mit nationaler Zweisprachigkeit) oder auch danach, und dies bis heute mit der heutigen föderalen Staatsform, in der die Flamen und Wallonen nur ihre Muttersprache haben (Niederländisch in Flandern und Französisch in Wallonien) als einzige Amtssprache in ihren jeweiligen Regionen.

In dieser Konstellation stellt Brüssel eine Ausnahme dar. Der Region Brüssel-Hauptstadt wurden zwei Amtssprachen (NL – FR) zugewiesen. Die belgische Hauptstadt ist jedoch eher die Heimat einer sehr großen Mehrheit von Französischsprachigen, obwohl sie auf flämischem Gebiet liegt. Heutzutage hat Französisch in Flandern all seinen Platz von früher verloren, andererseits hat es seinen Einfluss noch viele Jahre lang behalten können. Es ist insbesondere der privilegierten Stellung des Französischen in der Welt zu verdanken, dass diese Sprache ihren Status in Belgien lange Zeit behaupten konnte.

Die verschiedenen Sprachengesetze Belgiens

Belgien, so wie es ist, unterliegt heute dem „Prinzip der Territorialität“, das den Gebrauch von Sprachen durch die Gemeinschaften in ihren eigenen Territorien regelt. Es geht jedoch nur um den „öffentlichen Raum“. Von einem Einheitsstaat nach seiner Unabhängigkeit (1830) und für mehr als hundert Jahre lang hat sich Belgien in wenigen Jahrzehnten insbesondere mit Hilfe „verschiedener institutioneller Reformen“[1] zu einem föderalen Staat entwickelt. Die Regierung Spaak, die diejenige von Eyskens abgelöst hatte, ließ „am 24. Dezember 1960“ drei wichtige Gesetze verabschieden, die Belgien markieren sollten. Die erste war die „Abschaffung der Sprachenzählung“, die zweite zwang die Zweisprachigkeit in Brüssel auf und die letzte „organisierte das Sprachregime im Bildungswesen.“[2]

Die Gesetze vom Juni und Juli 1932 wurden in die Texte vom Juli und August 1963 aufgenommen, um die Einsprachigkeit in Flandern und Wallonien gleichzeitig mit der Zweisprachigkeit in Brüssel zu stärken. Außerdem wurde das Bildungswesen durch das Gesetz vom 30. Juli 1963 geregelt, „der Gebrauch von Sprachen in Verwaltungsangelegenheiten“ durch das Gesetz vom 2. August 1963 und „in gerichtlichen Angelegenheiten“ durch das vom 9. August desselben Jahres. Viele betrachten diese Gesetze als den Beginn der „Föderalisierung des Landes.“[3] Durch das Bildungsgesetz vom Jahr 1963 wurde die Schule in zwei voneinander unabhängige Sprachregime gespalten. Somit verbietet dieses Gesetz Schüler*innen einer der beiden Muttersprachen, an einer Schule der anderen Sprache eingeschrieben zu werden. 1969 wurden „zwei getrennte Bildungsministerien geschaffen und 1971 entstanden zwei halbautonome Kulturräte, die für die Verwaltung des Bildungswesens in Flandern und Wallonien zuständig waren.“ Inzwischen ist klar, dass sich die beiden Sprachgemeinschaften (Französisch und Flämisch) künftig um die Bildung in ihren eigenen Regionen kümmern würden.[4]

Bezüglich der Verwendung von Sprachen in der Arbeitswelt wurde ein spezielles Gesetz erlassen und auf private Unternehmen angewandt. Dies ist das Gesetz vom Jahr 1973, das vorschreibt, „dass alle Mitteilungen, die an das Personal gerichtet sind, nur in der Sprache der Region erfolgen müssen; dass die Korrespondenz zwischen Firmen in derselben Region nur in der Regionalsprache geführt werden muss.“[5]

Französisch in Flandern vor und nach 1962

Ab 1945 schritt die Flamisierung der Flämischen Region sehr schnell voran. Keine französisch-niederländische Zweisprachigkeit mehr. Aufgrund bestimmter flämischer Gruppen wurde die Kluft zwischen den beiden Sprachen immer größer und Französisch ging in Flandern immer mehr zurück. Mittlerweise ist Niederländisch in allen Schichten der flämischen Gesellschaft die einzige Gebrauchssprache. Diesbezüglich lässt Belgiens Politik kaum eine Wahl.[6]

Abgesehen davon, dass Französisch in Flandern bereits die erste Sprache der dort lebenden Französischsprachigen ist und die zweite Sprache der Flamen, die sie in der Schule gelernt haben, hat diese Sprache sogar die flämische Sprache beeinflusst. Dies geschah, indem sie zum Flämischen einige Begriffe ihres Wortschatzes entlehnt hat.[7] Es gibt viele Beispiele für die Häufigkeit und das Übergewicht des Französischen in der flämischen Gesellschaft. Auch wenn die flämischen Nationalisten es aus dem kulturellen Gedächtnis ihrer Region streichen wollen, ändert sich die Geschichte nicht, weil einige Personen dies wünschen. Im Jahr 1959 zeigte eine Umfrage in Ostflandern den großen Wert des Französischen in der Kommunikation in „112 Unternehmen“, wo es die Vormachtstellung hatte.[8] In den 1970er und 1980er Jahren blieb Französisch im Privatsektor unverzichtbar. In den großen Firmen, die mit Wallonien, Lateinamerika oder den französischsprachigen Ländern Afrikas zusammenarbeiten, ist jedoch die Sprache von Molière, die sie brauchen, um Geschäfte zu machen, auch wenn das Gesetz vom Jahr 1973 dies verbietet.[9]

Französisch ist heute in Flandern in der Geschäfts- und Industriewelt aufgrund der Anforderungen des internationalen Marktes relativ lebendig. Belgien macht viel mit französischsprachigen Ländern, insbesondere in Afrika. Diese Sprache verschafft ihnen ein Plus in Bezug auf die internationale kommerzielle Wettbewerbsfähigkeit. Jedoch kennt das Französische einen riesigen Rückgang in Flandern, hauptsächlich seit der Verabschiedung der Gesetze zur Sprachgrenze in den 1960er Jahren und der Regionalisierung vom Jahr 1970. Während das Französischniveau Ende der 1990er Jahre rückläufig war, konnten verschiedene Parameter wie Alter, Lage der Region und der Faktor des „Tourismus“ zu seiner Erhaltung innerhalb der flämischen Bevölkerung beitragen.[10] Laut Dominique Willems; „während qualitativ Französisch tatsächlich rückläufig ist, praktizieren quantitativ größere Bevölkerungsschichten eine minimale Zweisprachigkeit.“[11]

Die Sprachgrenze

Die Linie bzw. Grenze, die die flämische von der wallonischen Region trennt, ist fast dieselbe, die jahrhundertelang die nordischen „germanischen“ Sprachen von der lateinischen „romanischen“ Sprachen trennte.[12] Diese Grenzlinie durchquert das belgische Königreich von Frankreich im Westen bis zu den Niederlanden im Osten.[13] Außerdem ist diese nicht nur eine Sprachgrenze, sondern verfügt sie auch über einen sozialen und wirtschaftlichen Charakter. Darüber hinaus wurde sie oft als „politische Absperrung“ qualifiziert.[14]

In den 1930er Jahren war das „Prinzip der Territorialität“ noch nicht vollständig an den Rändern der Sprachgrenze angewandt worden. Bei jeder neueren Mehrheit von Französischsprachigen in einer Gemeinde, die entlang der Sprachgrenze lag, wurde diese Gemeinde zur anderen Seite der Grenze verschoben. Andersherum auch, d.h. bei niederländischsprachigen Gemeinden in Wallonien. Sobald das Ergebnis nach jeder Zählung ergab, dass in einer bestimmten Gemeinde mehr als 50 % der Bevölkerung französischsprachig ist, musste sie nach Wallonien gehören. Bei 30% der Bevölkerung wurden solchen Gemeinden zweisprachig. In der Mitte des 20. Jahrhunderts gab es bei den Gemeinden am Stadtrand von Brüssel einen großen Einzug von Französischsprachigen. Dies war in vielen brabantischen Gemeinden der Fall, die einen wirtschaftlichen Segen erlebten. Das Problem für diese Gemeinden war aber, dass diese Französischsprachigen eine Gefahr bezüglich der „Homogenität“ Flanderns darstellten.“[15] In diesem Fall hat den belgischen Staat die Flamen Hilfe geleistet, indem die Regierung die Sprachgrenze am „1. September 1963“ endgültig festlegte. Der Wille der belgischen Regierung bezüglich dieser Änderung wurde bei der Veröffentlichung des „Gesetzes vom 8. November 1962“ bekanntgegeben. Nach der Festsetzung der Grenze mussten „110.000 Belgier aus 49 Gemeinden“ ihr regionales Territorium wechseln. Generell verlief die gesamte Umsiedlung von Gemeinden in neuen Regionen friedlich. Die Ausnahme war in „Voeren“, die sich dagegenstellten. Der Voerener „José Happart“, der 1983 Bürgermeister wurde, weigerte sich absolut in seiner vermeintlich flämischen Ortschaft Niederländisch zu sprechen. Dies löste eine Reihe von „Regierungskrisen“ sowie Anpassung neuer politiksprachlicher Gesetze aus.[16]

Die Fazilitäten-Gemeinden

Den französischsprachigen Einwohnern der einigen Gemeinden entlang der sogenannten Sprachgrenze und anderen der flämischen Peripherie von Brüssel wurde seit 1963 ein besonderer Sprachstatus „vom Bundesgesetzgeber“ verliehen. Darüber hinaus wurden diese Gemeinden als „Fazilitäten-Gemeinden“ bezeichnet. Unter diesen Rechten, die es ihnen ermöglichen, Französisch in niederländischsprachigen Gebieten zu verwenden, können sie u.a. „Verwaltungsformulare“ auf Französisch erhalten, ihre Kinder in französischsprachigen Schulen anmelden usw. Dieses Prinzip gilt auch für andere Minderheiten in Belgien, die sich in der gleichen Situation befinden, wie Französischsprachigen in Flandern, Flämisch- und Deutschsprachigen in Wallonien sowie Französischsprachigen in der deutschsprachigen Region.[17]

Heutzutage gibt es 27 Fazilitäten-Gemeinden in Belgien. Diese sind über das ganze Königreich und in alle Verwaltungsregionen verteilt. So gibt es in Flandern „12 Gemeinden“ mit französischsprachigen Spracherleichterungen wie „Drogenbos, Kraainem, Linkebeek, Sint-Genesius-Rode, Wemmel und Wezembeek-Oppem.“ Die Gemeinden „Comines-Warneton, Enghien, Flobecq und Mouscron“ sind die „4 wallonischen Fazilitäten-Gemeinden“ für Niederländischsprachigen. Außerdem gibt es in Wallonien 2 Gemeinden „mit Spracherleichterungen für Deutschsprachigen“, nämlich die von „Malmedy und Waimes“. Für Französischsprachigen im deutschsprachigen Raum gibt es 9 Gemeinden mit Spracherleichterungen; „Amel, Büllingen, Burg-Reuland, Bütgenbach, Eupen, Kelmis, Lontzen, Raeren und Sankt Vith.“[18] Um die Sprachprivilegien dieser Gemeinden besser zu schützen, wurde am „9. August 1988“ vom Bundesgesetzgeber ein sogenanntes Befriedungsgesetz erlassen. Trotz dieses Gesetzes kannten die Fazilitäten-Gemeinden unzählige Konflikte zwischen den beiden Gemeinschaften (sowohl die flämische als auch die französische). Als Beispiel ist hier das Konflikt um die „Wohnordnung“ (Wooncode) von Flandern zu erwähnen. Diese Ordnung vorschreibt, dass jede/r Bewerber/in für Sozialwohnungen in Flandern Niederländisch sprechen soll oder zumindest beweisen, dass er bzw. sie es lernt. Wenn diese Voraussetzung nicht erfüllt ist, besteht das Risiko in Flandern nicht wohnen zu können.[19]

Die Französischsprachigen Flanderns

In Belgien stellen die Französischsprachigen, die in Flandern leben, eine Minderheit dar.[20] Die Zahl dieser französischsprachigen Bevölkerung nimmt weiter ab. Die Französischsprachigen in Flandern haben oft keine große Auswahl. Von daher leben sie in einer täglichen Diglossie-Situation, d.h., dass sie Französisch im privaten Bereich und Niederländischen im Außenbereich verwenden. Während für die jüngeren Generationen das Sprechen von Niederländisch zur Selbstverständlichkeit geworden ist, ist es für die älteren Generationen nicht immer der Fall. Aber trotz all dieser Einschränkungen, die das Französische in Nordbelgien kennt, haben es die französischsprachigen Flamen immer noch geschafft, es in ihrem täglichen Leben zu behalten.[21]

Aufgrund einer Reihe von Einschränkungen und Rechtsverletzungen gegen die französischsprachige Minderheit in Flandern, von denen der „Europarat“ Kenntnis genommen hatte, u.a. das Schulverbot in Fazilitäten-Gemeinden für Kinder, die im Jahr 1968 nicht dort gelebt haben, oder „die Übertragung des Gemeinderechts“ im Jahr 2002 usw., hat der Europäische Rat, Belgien wegen all dieser Verstoße ständig gewarnt.[22] Basierend auf die Ereignisse in Flandern und die Tatsache, dass Garantien für Menschen, die sich hinsichtlich ethnischer Zugehörigkeit, Kultur, Religion oder Sprache von der Mehrheit einer bestimmten Region unterscheiden, die es ihnen ermöglichen, sie zu schützen und zu entwickeln, das auch „das Ziel der Europäischen Minderheitenschutzkonvention“ darstellt, erkennt der Europarat an, dass die französischsprachigen Menschen in Flandern eine Minderheit repräsentieren. Dabei geht es um eine Minderheit, die mit „ausreichenden Sprachenrechten ausgestattet werden muss.“[23] Nach der Unterzeichnung des „Rahmenübereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten“ im Jahr 2002 hat der belgische Staat es immer noch nicht angewandt.[24] Laut Martin Monserez, der Druck der flämischen Regierung gegen die französischsprachige Minderheit Flanderns wäre vielfältig.[25] Trotz der vielen Empfehlungen, die Belgien 2016 von den Vereinten Nationen erhalten hat, wurden keine Änderungen bzw. Verbesserungen vorgenommen, um diese Gruppe von Menschen zu unterstützen.[26]

Laut Edgar Fonck, „dem Direktor der Association pour la Promotion de la Francophonie en Flandre (APFF)“, ist in Flandern nun jede Subventionierung frankophoner Aktivitäten durch die „französische Gemeinschaft“ verboten.[27] Er fügt hinzu, dass „im Jahr 2009 sein Verein in Flandern eine Umfrage von Dedicated Research durchführen ließ.“ Diese Umfrage ergab, dass „es in Flandern ca. 367.000 Französischsprachigen gibt: 310.000 mit Französisch als Muttersprache und fast 60.000, die perfekt Französisch sprechen, und die einen Elternteil haben, der französischsprachig ist.“[28] Andererseits ist zu bedenken, dass die Zählung der in Flandern lebenden Französischsprachigen seit der Aufhebung des Volkszählungssystems in Flandern 1960 weder selbstverständlich noch legal ist. Außerdem ist die „geografische Verteilung“ des flämischen Französischsprachigen sehr auffallend. Während die meisten von ihnen in den großen Städten und entlang der Sprachgrenze wohnen, sind viele andere auch auf dem Land und überall in Flandern zu finden.[29]

Französisch in der flämischen Schule

Nach dem Bildungsgesetz vom Jahr 1963 ist Französisch die erste Fremdsprache in Flandern und in Brüsseler Schulen, wo Niederländisch die Muttersprache ist.[30] Während der Unterricht auf Französisch in die Zuständigkeit der französischen Gemeinschaft fällt, wird der Französischunterricht andererseits zwischen den drei belgischen Gemeinschaften aufgeteilt. Dies ist der Fall seit dem „Gesetz vom 15. Juli 1988“, das festlegte, dass der Unterricht als ein anpassbares bzw. personenbezogenes Fach zu den Zuständigkeiten der Gemeinschaften gehört.[31] Auch heute noch ist Französisch im Sekundarbereich Pflicht. Seit dem Jahr 2004 wurde sie sogar in der Grundschule ab der fünften Klasse verpflichtend. Außerdem können Schulen jetzt Sprachkurse für Jugendliche organisieren. Darüber hinaus ist vor kurzem ein neues System entstanden. Dabei geht es um die Pilotschulen, die in Westflandern zu finden sind. Diese bieten die Möglichkeit, einen Schulweg zu beginnen, der aus „10 bis 15 % des Unterrichts“ in französischer Sprache besteht.[32] Bezüglich der Hochschulbildung war die französische Sprache immer Bestandteil vieler „universitärer und außeruniversitärer Studiengänge.“ Aus diesem Grund mussten alle zukünftigen Student*innen in den 1980er und 1990er Jahren bereits vor dem Studium sehr gute Französischkenntnisse mitbringen. Außerdem sollte erwähnt werden, dass die Motivation der Schüler*innen, die Französisch lernen, hauptsächlich „instrumental“ und nicht „integrativ“ ist.[33] D.h., dass sie es als Arbeitsinstrument verwenden würden und nicht, weil sie sich in einer französischsprachigen Region integrieren würden.

Andererseits ist der Französischunterricht in Flandern heutzutage viel zu schwierig und kompliziert geworden als früher. Angesichts der fehlenden Unterstützung der Lehrer erfordert die neue Bildungsreform mehr Arbeit und Anstrengung in der Grundschule. Nach 42 Französischlehrer*innen „von 14 verschiedenen Gymnasien und Hochschulen“ in Flandern ist die Situation für FLE (Französisch als Fremdsprache) in der Sekundarstufe nicht besser als in der Grundschule. Aufgrund der „Schulträger“, die die Stundenzahl des Französischunterrichts reduziert haben, ist das Niveau der Schüler noch niedriger geworden.[34] Laut einer Umfrage der KUL Löwen vom Jahr 2018, die „bei mehr als zweitausend Schüler*innen“ von 78 Grundschulen durchgeführt wurde, machte die flämische Bildungsministerin vom Jahr 2014 bis zum Jahr 2019, Hilde Crevits, bekannt, dass das Niveau dieser Schüler*innen in Französisch sehr bedauerlich ist. Abgesehen von ihren Ergebnissen im „Leseverständnis und Schreibfähigkeiten“ fielen ihre anderen Ergebnisse sehr negativ aus. Für Lode Delputte, eine Französischlehrerin, würde diesen Rückgang nicht nur Schüler*innen betreffen, sondern auch Lehrer*innen selbst. Ihre Äußerung basiert sie auf einen veröffentlichten Bericht vom Jahr 2017. Sie meint auch, dass ihr „sprachlicher Hintergrund sehr schwach ist“. Von nun an haben die jungen Lehrer*innen der FLE meist sehr große Schwierigkeiten; u.a. mit der Aussprache und der Intonation. Um diese Probleme zu beheben, kündigte die Bildungsministerin bestimmte Maßnahmen an, „wie z.B. die Möglichkeit ab dem dritten Jahr der Grundschule Französisch zu lernen“.

Allerdings beherrschen die Flamen die Zweitsprache ihrer Region besser als die Französischsprachigen in Brüssel und Wallonien (viele kennen kein Niederländisch, trotz der Tatsache, dass es die Zweitsprache ihrer Region ist). Um Französisch zu lernen, brauchen Flamen keine „Vertiefungsprogramme“, wie diejenigen, die in der wallonischen Region angeboten sind. Ein Projekt zur Schaffung zweisprachiger Schulen in Flandern wurde von einigen Französischsprachigen vorgeschlagen. Dieses wurde aber von der flämischen Regierung abgelehnt.[35]

 

Fußnoten:

[1] Vgl. Francard, 2016 : S. 102

[2] Vgl. Dumont, 2000 : S. 593

[3] Vgl. Javeau, 2007 : S. 209

[4] Vgl. von Busekist, 1998 : S. 277

[5] Vgl. Hendrickx, 1982 : S. 71

[6] Vgl. ibid. : S. 72

[7] Vgl. Javeau, 1997 : S. 260

[8] Vgl. ibid. : S. 263

[9] Vgl. Hendrickx, 1982 : S. 73

[10] Vgl. Javeau, 1997 : S. 269

[11] Vgl. ibid. : S. 270

[12] Vgl. Nelde/Weber, 1995 : S. 90

[13] Vgl. Javeau, 2007 : S. 207

[14] Vgl. Hendrickx, 1982 : S. 70

[15] Vgl. Witte/Velthoven, 2011 : S. 131

[16] Vgl. Le Vif, 30/08/2013

[17] Vgl. Francard, 2011 : S. 153

[18] Vgl. Rédaction RTBF, 25.04.2018

[19] Vgl. ibid.

[20] Vgl. ibid.

[21] Vgl. Javeau, 1997 : S. 272

[22] Vgl. Witte/Velthoven, 2011 : S. 197

[23] Vgl. ibid. : S. 198

[24] Vgl. Monserez, 03.12.2018

[25] Vgl. ibid.

[26] Vgl. ibid.

[27] Vgl. Counet, 12.2019

[28] Vgl. ibid.

[29] Vgl. Javeau, 2011 : S. 272

[30] Vgl. Hambye, 2009 : S. 44

[31] Vgl. Francard, 2016 : S. 102

[32] Vgl. Witte/Velthoven, 2011 : S. 194

[33] Vgl. Rosseel, 1982 : S. 86

[34] Vgl. Steffens, 10.12.2019

[35] Vgl. Hambye, 2009 : S. 44

 

Quellen:

Busekist, Astrid von (1998): La Belgique : politique des langues et construction de l’État de 1780 à nos jours. Paris / Brüssel: Duculot

Counet, Anne-Françoise (2019): L’APFF souffle 20 bougies. Erstellt im: 12.2019. In: Nouvelles de Flandre. N° 94

Delputte, Lode: Les Flamands et la langue française : entre désamour et aveu de faiblesse. Erstellt am: 11.06.2018. In: daardaar.be. https://daardaar.be/rubriques/opinions/les-flamands-et-la-langue-francaise-entre-desamour-et-aveu-de-faiblesse/, letzter Zugriff: 17.08.2021

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Hambye, Philippe: Plurilinguisme et minorisation en Belgique : d’étranges rapports aux langues “étrangères”. In: Langage et société, 2009/3 (n° 129), S. 29-46

Hendrickx, Henri (1982): Le français dans les secteurs financier et industriel en Flandre, Rosseel, Eddy, Le français en Flandre : situations et besoins dans le monde de l’éducation. In: Rosseel, Eddy (Hrsg.). La langue française dans les pays du Benelux : besoins et exigences, Brüssel : AIMAV

Javeau, Claude (1997): Le contexte socio-politique de la langue française à Bruxelles. Willems, Dominique, Le français en Flandre. In: Blampain, Daniel/Goosse, André/Klinkenberg, Jean-Marie/Wilmet, Marc (Hrsg.). Le français en Belgique : une langue, une communauté, Neu-Löwen: Duculot [u.a.]

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Steffens, Eric: L’apprentissage du français en Flandre est en danger : des professeurs tirent la sonnette d’alarme. Erstellt am: 10.12.2019 https://www.vrt.be/vrtnws/fr/2019/12/10/l_apprentissage-du-francais-en-flandre-est-il-menace/, letzter Zugriff 17.08.2021

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