Am 30. Juni 1960 erlangte die heutige Demokratische Republik Kongo ihre Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Belgien. Der erste kongolesische Ministerpräsident, Patrice Lumumba (1925-1961) betonte dabei stets, dass die Unabhängigkeit kein Geschenk der Belgier gewesen sei, sondern eine hart umkämpfte Errungenschaft von kongolesischen AktivistInnen, PolitikerInnen und Intellektuellen. Das ausgewiesene Ziel der blockneutralen Politik Lumumbas war es zu Beginn, freundschaftlich und auf Augenhöhe mit Belgien in den Bereichen Handel, Bildung und Industrie zu kooperieren. Doch auch nach der Erlangung der kongolesischen Unabhängigkeit behielten Belgien und die ‚westlichen‘ Verbündeten ihren kolonialen Einfluss in der ehemaligen Kolonie. Die Sorge auf Seiten des ‚Westens‘ war in einer Hochphase des Kalten Krieges zu groß, dass die Sowjetunion Zugriff auf die Kupfer-, Kobalt-, Uran-, Gold- und Diamantenvorkommen im Kongo erhalten könne. Um die rohstoffreichen Gebiete des Kongo weiterhin unter Kontrolle zu halten, unterstützte der ‚Westen‘ – allen voran Belgien – die Sezessionsregierung unter der Führung des selbsternannten Präsidenten in der Kupferprovinz Katanga, Moïse Tshombé (1919-1969). Die damit zusammenhängenden Sezessionskriege, an denen neben den Vereinten Nationen verschiedene globale Akteure beteiligt waren, spalteten das Land und schafften im Zuge dieser sogenannten ‚Kongo-Krise‘ ungünstige Startbedingungen für die folgenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen der jungen Demokratie.

 

Der steinige Weg in die Unabhängigkeit

Nachdem die belgische Kolonialverwaltung im Jahre 1958 die Gründung von politischen Parteien erlaubt hatte, dominierten landesweit zwei große Parteien – der Mouvement National Congolais (MNC) von Patrice Lumumba (1925-1961) und die Alliance des Bakongo (ABAKO) von Joseph Kasavubu (1910-1969) – die politische Landschaft des Kongo.

Patrice Lumumba, Mitbegründer der Partei Mouvement National Congolais und erster kongolesischer Ministerpräsident © Harry Pot, ANEFO
Joseph Kasavubu, Mitbegründer der Partei Alliance des Bakongo und erster kongolesischer Staatspräsident © ANEFO

Auch wenn sich weitere wichtige Figuren für die politische Freiheit des Kongo engagierten, so war die rasche Umsetzung der Forderungen nach Unabhängigkeit der Unnachgiebigkeit der beiden rivalisierenden Politiker Lumumba und Kasavubu zu verdanken. Denn während die Kolonialmacht Belgien langfristigere Pläne – etwa mit dem Bilsen-Plan, der eine Unabhängigkeit des Kongo nach 30 Jahren vorschlug – verfolgte, forderte der Großteil der KongolesInnen eine sofortige und bedingungslose Beendigung der belgischen Fremdherrschaft. Die Forderungen der kongolesischen PolitikerInnen wurde in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre stetig radikaler – mit z.T. drastischen Folgen: Eine ABAKO-Kundgebung von Joseph Kasavubu am 4. Januar 1959 wurde von der belgischen Kolonialarmee blutig niedergeschlagen und forderte zahlreiche Todesopfer. Kasavubu kam daraufhin in Haft. Am 1. November des gleichen Jahres wurde auch Patrice Lumumba wegen ‚Anstiftung zum zivilen Ungehorsam‘ zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, nachdem verschiedene MNC-Veranstaltungen zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen DemonstrantInnen und den Sicherheitskräften geführt hatten.

Die Table ronde de Bruxelles (Januar/Februar 1960)

 Der Druck auf die Regierung Belgiens und den belgischen König Baudouin I. (1930-1993) wuchs jedoch angesichts der internationalen Aufmerksamkeit, die der Kongo in der Presse erregte. Zudem wollte man ein ‚belgisches Algerien‘ verhindern, nachdem das Nachbarland Frankreich bereits seit 1954 in einen Krieg mit algerischen Befreiungskämpfern verwickelt war, der weitreichende Auswirkungen auf das öffentliche Leben in Frankreich mit sich zog und die Aufrechterhaltung des kolonialen Unrechtsstaates in Algerien um jeden Preis zu verteidigen versuchte. Aus diesen Gründen entschloss sich der belgische Afrikaminister August De Schryver (1898-1991) noch im November 1959 dazu, eine Table ronde in Brüssel einzuberufen, die im Januar/Februar 1960 die Bedingungen und den Ablauf der Unabhängigkeit diskutieren sollte. Zu den Verhandlungen war eine kongolesische Delegation mit insgesamt 83 kongolesischen PolitikerInnen aller Parteien eingeladen, die sich im Vorfeld im sogenannten Front commun zusammentaten und dabei Geschlossenheit bei der Erreichung ihrer Ziele demonstrierten.

Patrice Lumumba während der Table ronde de Bruxelles im Januar 1960 (Public Domain)

Gleichzeitig erwirkte das Bündnis die Freilassung und Begnadigung von Lumumba, der sich zu Beginn der Verhandlungen im Gefängnis von Jadotville (heute: Likasi) befand. Als Führer des MNC traf Lumumba somit verspätet in Brüssel an, hatte allerdings noch wesentlichen Einfluss auf die weitere Arbeit der Table ronde: Der erarbeitete Zeitplan sah schließlich den 30. Juni 1960 als endgültiges Datum einer kongolesischen Unabhängigkeit vor.

Freude im Kongo, Unbehagen in Belgien

Der Beschluss der Table ronde wurde im Kongo landesweit als Erfolg gefeiert, der die Freiheit und die Selbstbestimmung der KongolesInnen wiederherstellen sollte. In Belgien blickte man aus mehreren Gründen mit Unbehagen auf die Ereignisse in der Kolonie: Zum Einen verstand ein Großteil der BelgierInnen die kongolesischen Forderungen nach Unabhängigkeit nicht, da man in den belgischen Medien in den Jahren zuvor das Bild der ‚friedlichen Modellkolonie‘, der pax belgica, gezeichnet hatte. Zum Anderen dominierte ein rassistischer Paternalismus: Viele BelgierInnen sahen das Datum der kongolesischen Unabhängigkeit als verfrüht an und trauten den kongolesischen PolitikerInnen nicht zu, dass sie die politischen Geschicke des unabhängigen Kongo eigenständig leiten könnten. Darüber hinaus fürchte man, dass Belgien seinen geostrategischen und wirtschaftlichen Einfluss in Subsahara-Afrika dauerhaft verlieren würde. Die ersten freien Wahlen im Kongo am 22. Mai 1960 brachten Lumumbas MNC eine relative Mehrheit (24,08%) und damit den Posten des Ministerpräsidenten ein, während der Parti National du Progrès (PNP, 16,06%) und der Parti Solidaire Africain (PSA, 9,49%) um Parteiführer Antoine Gizenga (1925-2019) den zweiten und dritten Platz belegten. Lumumba ging daraufhin ein Koalitionsbündnis mit dem PNP und dem PSA ein, die beide an der Regierungsbildung beteiligt wurden. Die ABAKO (8,76%) konnte bei der Wahl lediglich die viertmeisten Stimmen erlangen. Allerdings wurde Kasavubu aus innenpolitischen Gründen dennoch von den Regierungsparteien als erster kongolesischer Staatspräsident vorgeschlagen, der neben der Repräsentationsfunktion einige wichtige Entscheidungen treffen und z.B. in triftigen Fällen das Parlament auflösen konnte.

Der belgische König Baudouin nahm am 29. Juni 1960 ein letztes Mal die Parade der kongolesischen Force Publique in Leopoldville ab (Public Domain)

Die Unabhängigkeit des Congo belge (30. Juni 1960)

Gemäß des Protokolls begann die Unabhängigkeitsfeier im Parlamentsgebäude der kongolesischen Hauptstadt Leopoldville (heute: Kinshasa) mit einer Rede des belgischen Königs Baudouin I. Hierin rühmte der Monarch die angeblich ‚philanthropische‘ Unternehmung seines Großonkels Leopold II. (1835-1909) und bezeichnete die Unabhängigkeit als ‚Geschenk‘ der BelgierInnen an die KongolesInnen: „Die Unabhängigkeit des Kongo stellt den Höhepunkt des Werkes dar, das durch das Genie von König Leopold II. entworfen, von ihm mit zähem Mut unternommen und mit der Ausdauer Belgiens weiterverfolgt wurde. [...] Über 80 Jahre lang hat Belgien die Besten seiner Söhne geschickt, zunächst, um das Kongo-Becken vom verhassten Sklavenhandel zu befreien, der die Bevölkerung dezimierte“ (Übersetzung: J. Bobineau). Im Anschluss sprach der neue kongolesische Staatspräsident Kasavubu und dankte den BelgierInnen für ihre ‚zivilisatorische Pionierarbeit‘ beim Aufbau der Infrastruktur im Kongo während der Kolonialzeit, ohne dabei Kritik an der kolonialen Zeit zu äußern.

Joseph Kasavubu (rechts, am Pult) hält seine Rede im Rahmen der Feierlichkeiten zur kongolesischen Unabhängigkeit am 30. Juni 1960 (Public Domain)

Die unvorhergesehene Rede von Patrice Lumumba

Im weiteren Verlauf der Zeremonie übernahm schließlich Ministerpräsident Lumumba das Wort vor den geladenen Gästen, obwohl ihn das offizielle Protokoll nicht als Redner vorsah. Für Lumumba sollte die kongolesische Unabhängigkeit nicht als Geschenk, sondern vielmehr als Errungenschaft der KongolesInnen betrachtet werden: „An euch alle, meine Freunde, die ihr unermüdlich an unserer Seite gekämpft habt, richte ich die Bitte, aus diesem 30. Juni 1960 ein glanzvolles Datum zu machen, das ihr für immer unauslöschlich in eurem Herzen bewahren sollt, ein Datum, dessen Bedeutung ihr mit Stolz euren Kindern erklären werdet, damit diese ihrerseits ihren Kindern und Enkelkindern von der ruhmreichen Geschichte unseres Kampfes für die Freiheit berichten“ (Übersetzung: J. Janz). Im Widersprich zu seinen Vorrednern ging Lumumba in seinen Äußerungen äußerst kritisch auf die politische Unterdrückung, die wirtschaftliche Ausbeutung, den alltäglichen Rassismus und die Ungleichbehandlung ein, die spätestens seit der kolonialen Inbesitznahme des Kongo durch Leopold II. systematisch etabliert wurden: „Wir haben Spott, Beschimpfungen und Schläge ertragen müssen, morgens, mittags und abends, nur weil wir Neger waren. Wer kann vergessen, dass man zu einem Schwarzen ‚du‘ sagte, allerdings nicht wie zu einem Freund, denn das respektvolle ‚Sie‘ war allein den Weißen vorbehalten. Wir haben erfahren müssen, dass uns Land geraubt wurde im Namen vorgeblich legaler Dokumente, die lediglich das Recht des Stärkeren zur Geltung brachten. Wir haben erfahren, dass das Gesetz für Weiße und Schwarze nie gleich war: vermittelnd für die einen, grausam und unmenschlich für die anderen“ (Übersetzung: J. Janz). Auch wenn Lumumbas Rhetorik das koloniale Unrecht deutlich anprangerte, so war der Tonfall am Ende seiner Rede doch kooperativ und sah in Belgien einen freundlichen Partner.

Der kongolesische Ministerpräsident Patrice Lumumba und der belgische Ministerpräsident Gaston Eyskens (1905-1988) unterzeichnen die Erklärung zur Unabhängigkeit am 30. Juni 1960 (Public Domain)

Gespaltene Reaktionen im Kongo und in Belgien

Die Reaktionen auf Lumumbas Ausführungen waren dennoch gespalten: Während die kongolesischen Gäste vielfach in euphorischem Applaus ausbrachen, wirkten die belgischen Anwesenden brüskiert. König Baudouin I. diskutierte im unmittelbaren Anschluss mit seinen Ministern gar über eine frühere Abreise. Auch in Belgien wirkten Lumumbas Worte wie ein Affront der Undankbarkeit, der in den belgischen Medien, der Brüsseler Politik und der belgischen Gesellschaft zu einer öffentlichen Hetzkampagne gegen den kongolesischen Ministerpräsidenten führte: Während der gesamte Kongo die Unabhängigkeit mit dem zum Symbol gewordenen Indépendance Cha-cha feierte, wurde Lumumba in der belgischen und ‚westlichen‘ Presse als Demagoge, Analphabet, Ganove, Dieb, Wilder sowie als Kommunist diffamiert. Für letzteres schien der Appell Lumumbas an die Sowjetunion der schwerwiegendste Beweis gewesen zu sein: Nach einer Meuterei in der kongolesischen Armee (5. Juli 1960) und einer Sezession der wirtschaftlich wichtigen Kupferprovinz Katanga unter Gouverneur Moïse Tshombé (11. Juli 1960) bat Lumumba die USA (13. Juli 1960) und die Vereinten Nationen (14. Juli 1960) um Hilfe, da er hinter der Abspaltung Katangas einen Sabotageakt der Belgier vermutete.

Kongolesische Sicherheitskräfte dominierten das Stadtbild in Leopoldville, nachdem Ministerpräsident Lumumba im September 1960 abgesetzt wurde © IMS Vintage Photos

Doch sowohl der US-Botschafter in Leopoldville, Clare H. Timberlake, als auch der UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld (1905-1961) verwehrten dem kongolesischen Ministerpräsidenten die militärische Unterstützung mit dem Hinweis auf das Nichteinmischungsgebot bei innenpolitischen Konflikten. Die UN entsandte im Juli 1960 aber – erstmals überhaupt in ihrer jungen Geschichte – Blauhelm-Friedenstruppen nach Katanga zum Schutz der lokalen Zivilbevölkerung, allerdings nicht, um Lumumbas Vorhaben der nationalen Einigung zu unterstützen. Daraufhin rief Lumumba den Staatschef der UdSSR, Nikita Chruschtschow (1894-1971), an und erhielt alsbald sowjetische Transportflugzeuge zur Verfügung gestellt für die Verlegung von kongolesischen Regierungstruppen in die Region Katanga. Der ‚Westen‘ deutete diese Kooperation als Affront und befürchtete, dass Lumumba der Sowjetunion weitreichende Kontrolle über die Rohstoffe gewähren könnte.

Die Ermordung von Patrice Lumumba

Nachdem Albert Kalonji (1929-2015) am 8. August 1960 überdies die Abspaltung der Diamantenprovinz Kasai proklamierte und die kongolesische Wirtschaft einbrach, geriet Lumumba innenpolitisch weiter unter Druck.

Irische Blauhelmtruppen im kongolesischen Jadotville. Ihre Geschichte wurde 2016 im Netflix-Spielfilm "The Siege of Jadotville" dargestellt © Irish Defence Forces

Am 12. September 1960 setzte Präsident Kasavubu den kongolesischen Ministerpräsidenten Lumumba schließlich per Dekret ab und kollaborierte fortan mit Joseph-Désiré Mobutu (1930-1997), einem Vertrauten Lumumbas, der zuvor zum kongolesischen Armeechef ernannt worden war und in dieser Funktion Bestechungsgelder vom US-amerikanischen Geheimdienst CIA annahm. In der Folge wurde Lumumba wegen angeblichem Hochverrat von Mobutu in Leopoldville unter Hausarrest gestellt. Lumumba konnte zwar unbemerkt aus seinem Domizil fliehen, wurde anschließend jedoch mit seinen politischen Weggefährten Maurice M’Polo (1928-1961) und Joseph Okito (1910-1961) von Mobutus Militärs festgenommen. Nach tagelangen Folterungen erschossen katangesische Soldaten Lumumba zusammen mit M’Polo und Okito am 17. Januar 1961 in Katanga auf Befehl der katangesischen Regierung mit Unterstützung der US-amerikanischen und belgischen Geheimdienste. Einige Tage später exhumierten die belgischen Geheimpolizisten Gerard Soete und Frans Verscheure die drei Leichen, zersägten und verbrannten sie und lösten die Asche in Säure auf. Ziel war es, den politischen Mord zu vertuschen und die Erinnerung an Lumumba vollends auszulöschen.

Die ‚Kongo-Krise‘

Während tausende Menschen u.a. in den USA, in China und auch in Europa gegen den politischen Mord protestierten, brach die Ordnung im Kongo zusammen. Die sogenannte ‚Kongo-Krise‘ spitzte sich in Form eines blutigen Bürgerkrieges zu und machte das Land unregierbar: Während Kasavubu und Mobutu den Westen des Kongo mit US-amerikanischer Protektion unter Kontrolle hielten, verteidigte Tshombé mit Hilfe von südafrikanischen Söldnern und der Mitwirkung Belgiens weiterhin die Unabhängigkeit Katangas und Kalonji blieb das politische Oberhaupt der Provinz Kasai. Darüber hinaus bildete sich im Osten des Kongo eine marxistische Gegenregierung, die von China und der UdSSR anerkannt und unter der Führung von Lumumbas Mitstreitern organisiert wurde, darunter Gizenga, Pierre Mulele (1929-1968), Christophe Gbenye (1927-2015) und Thomas Kanza (1939-2001).

Ein ‚Laissez-Passer‘ der marxistischen République populaire du Congo, die 1964 von Christophe Gbenye gegründet und im gleichen Jahr wieder aufgelöst wurde (Public Domain)

Nach dem Scheitern verschiedener diplomatischer Gespräche – UN-Generalsekretär Hammarskjöld kam im Rahmen eines dieser Gespräche unter bis heute ungeklärten Umständen bei einem Flugzeugabsturz im heutigen Sambia ums Leben – zwang eine UN-Friedensmission Tshombé schließlich zum Einlenken und zur Wiedereingliederung der abtrünnigen Provinz Katanga in das kongolesische Staatsgebiet.

Der Präsident Katangas Moïse Tshombé (Mitte) bei einem Besuch in der französischen Stadt Toulouse im Februar 1963 © Fonds André Cros

Im Osten tobte weiterhin der Bürgerkrieg: Gbenye rief 1964 in Stanleyville die République populaire du Congo aus und startete die militärische Simba-Rebellion gegen die kongolesische Staatsregierung in Leopoldville.

Beendigung der Krise durch Militärputsch

 Um die Kongo-Krise zu beenden, putsche Armeechef Mobutu am 24. November 1965 gegen Staatspräsident Kasavubu und enthob ihn seines Amtes. Dieser Militärputsch markierte damit den Beginn der langjährigen Herrschaft Mobutus, der sich am 22. März 1966 selbst zum Präsidenten ernannte und dies bis zum Jahre 1997 blieb. Als totalitärer Machthaber etablierte Mobutu im Kongo eine Diktatur mit Einheitspartei, Unterdrückung der Presse, Verfolgung und Ermordung von Oppositionellen, Kontrolle der Kulturproduktion, Vetternwirtschaft und persönlicher Bereicherung an den wirtschaftlichen Unternehmen des Landes.

Joseph-Désiré Mobutu (zweiter von links) zu Besuch bei US-Präsidenten Richard Nixon (1913-1994), der im Zuge der militärischen Aufrüstung an kongolesischen Rohstoffen interessiert war (Public Domain)

Mobutus Praktiken wurden wegen des kongolesischen Rohstoffreichtums dabei von eine großen Anzahl ‚westlicher‘ PolitikerInnen geduldet: Zu seinem engsten Verbündeten im Kalten Krieg zählte neben den US-amerikanischen Präsidenten allen voran Frankreichs ehemaliges Staatsoberhaupt Valéry Giscard d’Estaing (*1926).

- Von Dr. Julien Bobineau, Julius-Maximilans-Universität Würzburg -

 

Weiterführende Literatur:

Bobineau, Julien (2019). Koloniale Diskurse im Vergleich. Die Repräsentation von Patrice Lumumba in der kongolesischen Lyrik und im belgischen Drama, Berlin: LIT.

Bouwer, Karen (2010). Gender and decolonization in the Congo. The legacy of Patrice Lumumba, New York: Palgrave Macmillian.

Böhm, Andrea (32011). Gott und die Krokodile. Eine Reise durch den Kongo, München: Pantheon Verlag.

De Groof, Matthias (2020). Lumumba in the Arts, Leuven: Leuven University Press.

De Witte, Ludo (1996). Crisis in Kongo, Leuven: Van Halewyck.

--- (2001). Regierungsauftrag Mord. Der Tod Lumumbas und die Kongo-Krise, aus dem Französischen von Ulrich Bossier, Leipzig: Forum-Verlag.

Gerard-Libois, Jules/Heinen, Jean (1989). Belgique-Congo 1960. Le 30 juin pourquoi, Lumumba comment, Le Portefeuille pour qui, Brüssel o.A.

Gondola, Didier (2002). The history of Congo, Westport u.a.: Greenwood Press.

Ndaywel è Nziem, Isidore (2009). Nouvelle histoire du Congo. Des origines à la République Démocratique, Brüssel: Cri.

Vanthemsche, Guy (2007). Nouvelle Histoire de Belgique. La Belgique et le Congo. Empreintes d’une colonie 1885-1980, Bd.4, mit einem Vorwort von Jean-Luc Vellut, Brüssel: Complexe.