Kategorie: Allgemein

Ein Gespräch mit Alexander Homann

Prof. Sabine Schmitz vom Belgienzentrum konnte in der belgischen Botschaft in Berlin ein Gespräch mit Alexander Homann führen. Herr Homann ist Leiter der Vertretung Ostbelgiens, der Fédération Wallonie-Bruxelles sowie der Wallonie in Deutschland. Themen des Gesprächs waren unter anderem: Die historische Entwicklung der Vertretung, deren Aufgaben und Anliegen, die Eigentümlichkeiten des belgischen Föderalismus', Stärken der wallonischen und gesamtbelgischen Kunst sowie - natürlich - das BelgienNet. 

Belgien und der Congo belge (1908-1960)

Die heutige Demokratische Republik Kongo mit ihrer Hauptstadt Kinshasa ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eng mit dem Königreich Belgien verbunden. Ein wesentlicher Grund hierfür ist die belgische Kolonisierung der Gebiete in Subsahara-Afrika, die unter König Leopold II. (1835-1909) ihren Anfang nahm und vom belgischen Staat ab 1908 fortgeführt wurde. Nach der internationalen Kritik an Leopolds II. ausbeuterischem Kolonialsystem sollte die Führung der Kolonie unter belgischer Flagge dafür sorgen, dass sich die Lebensumstände der indigenen KongolesInnen verbesserte. Doch der belgische Staat führte den Ansatz Leopolds II. insbesondere in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fort und konzentrierte sich dabei auf den Abbau von Kupfer, Zink, Diamanten und Blei. Auch wenn die Sklaverei offiziell verboten wurde, existierten flächendeckend Formen der Zwangsarbeit. Demnach hatte sich an den Mechanismen der kolonialen Ausbeutung auch unter belgischer Führung nichts geändert.

 

Die Gründung des Congo belge (1908)

Nach der Gründung des Congo belge richtete Belgien eine staatliche Kolonialverwaltung ein, die vom ebenfalls neu gegründeten belgischen Kolonialministerium in Brüssel bestellt und auch weiterhin vom belgischen König – ab 1909 hatte Leopolds II. Neffe Albert I. (1875-1934) die königliche Macht inne – kontrolliert wurde. Die 1908 verabschiedete Charte coloniale diente als Rechtsgrundlage für den Aufbau der Kolonialverwaltung im Congo belge. Laut dieser ‚Verfassung‘ benötigte der belgische König für jede wichtige staatsrechtliche Entscheidung zwar die formale Zustimmung eines belgischen Ministers. Allerdings besaß der Monarch die Alleinbefugnis, das Amt des belgischen Kolonialministers ohne weitere Zustimmung der Regierung oder des Parlaments zu besetzen. Die Charte coloniale sah darüber hinaus zunächst keine Beteiligung von KongolesInnen an den Verwaltungsstrukturen vor. Im Jahre 1916 erhielt Belgien zudem die Kontrolle über die ehemalige deutschen Kolonie Rwanda-Urundi (heute: Rwanda und Burundi), die das Territorium des Congo belge ab 1925 als Völkerbund-Mandatsgebiet erweiterte.

 

Wirtschaftliche Ausbeutung durch die Bergbaugesellschaft Union Minière du Haut-Katanga

Zwar verbot die Kolonialverwaltung im Jahre 1910 jegliche Formen von Sklaverei, doch die wirtschaftlichen Strukturen im Congo belge basierten auch weiterhin auf praktizierten Formen der Zwangsarbeit. Die bereits 1906 gegründete Union Minière du Haut-Katanga (UMHK) erhielt als belgisches Staatsunternehmen das Monopol für den Abbau der Erz- und Mineralienvorkommen zugesprochen und setzte hierfür flächendeckend Zwangsarbeiter ein. Die UMHK wurde rasch zum größten und mächtigsten Unternehmen im Congo belge, da die militärische Aufrüstung im unmittelbaren Vorfeld des 1. Weltkrieg den Bedarf an Kupfer, Blei und anderen Rohstoffen in Europa hatte übermäßig ansteigen lassen.

Eine Bergbauhütte zur Gewinnung von Kupfer in Elisabethville (1917), die heute den Namen ‚Lubumbashi‘ trägt (Public Domain)

Fortan war die Förderung des lukrativen Bergbauwesens – neben dem Ausbau der Kautschuk-, Kaffee-, Kakao- und Palmölplantagen – wesentlicher Bestandteil der belgischen Kolonialpolitik. Auch wenn hohe Investitionen in Infrastruktur wie Straßen, Bahnlinien und Flusswege nötig geworden waren, so lautete die Leitlinie der Belgier im Congo belge, dass die Kolonie finanziellen Profit einbringen müsse. Betrachtet man die Ausrichtung der Transportwege vor diesem Hintergrund genauer, so wird rasch deutlich, dass sich die belgische Kolonialverwaltung bei der Infrastruktur einzig um den direkten Abtransport der Rohstoffe in Richtung der atlantischen Häfen sorgte. Ziel war es, die Rohstoffe auf schnellstem Wege nach Belgien zu verschiffen, um sie in der Industrie weiterzuverarbeiten.

Der Ausbau der Infrastruktur war ein wesentliches Ziel der belgischen Kolonialverwaltung, dass mit dem Einsatz von kongolesischen ZwangsarbeiterInnen erreicht werden sollte (Public Domain)

Der Bahnhof von Kinshassa, einem indigenen Ortsteil der kolonialen Hauptstadt Leopoldville. Seit 1965 trägt die Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo nicht mehr den Namen Leopoldville, sondern wurde nach dem Ortsteil in ‚Kinshasa‘ umbenannt (Public Domain)

Nicht zufällig entwickelte sich Belgien während jener Zeit zur ‚Schokoladennation‘: Namhafte belgische Chocolatiers, die ihre Kakaobutter als Ausgangsrohstoff für Pralinen, Schokolade und Co. größtenteils aus der Kolonie Congo belge bezogen, gründeten Unternehmen zur Schokoladenherstellung, wie bspw. Callebaut (1911), Leonidas (1913) oder Godiva Chocolatier (1926).

 

Koloniale Propaganda in Belgien

Trotz der zunehmenden Profite war das koloniale Kongo-Bild in Belgien zunächst außerordentlich negativ: Aufgrund der scharfen Kritik an Leopolds II. Kolonialismus’, die insbesondere von der Congo Reform Association (CRA) in internationalen Zeitungen veröffentlicht wurde, lehnte ein Großteil der belgischen Bevölkerung die Eingliederung des Etat Indépendant du Congo (EIC) in belgisches Staatsgebiet ab. Ausschlaggebend waren hierbei die Furcht vor weiteren Skandalen sowie die fehlende Bereitschaft, größere Geldsummen in die unbeliebte Kolonie zu investieren.

Ein Propaganda-Plakat aus dem Jahre 1922, das auswanderungswillige BelgierInnen ansprechen sollte (Public Domain)

Um die Meinung der belgischen Bevölkerung in Bezug auf die koloniale ‚Unternehmung‘ positiv zu stimmen, betrieben Staat und Königshaus aufwendige Propaganda: Dabei wurde die zurückliegende Kolonisierung des Kongo durch Leopold II. mit dem Hinweis auf die angebliche ‚Rückständigkeit‘ und das ‚barbarische‘ Wesen der KongolesInnen gerechtfertigt, was die Anwesenheit der königlichen Kolonialbeamten, Militärs und Missionare notwendig gemacht hätte.

Dass Leopolds II. ‚Unternehmung‘ durch den Verkauf der Privatkolonie an den belgischen Staat unterbrochen worden war, nahm die Kolonialpropaganda zum Anlass, die Fortführung von Leopolds II. ‚Zivilisierungsmission‘ zu postulieren. In der Folge wurden indigene KongolesInnen in der belgischen Presse, im Film sowie in Kunst und Literatur als ‚naive Wilde‘ mit ‚kindlicher Seele‘ inszeniert, die einer erzieherischen Hand der ‚zivilisierten‘ BelgierInnen bedürfen. Dabei basierte diese soziale Abwertung der indigenen Bevölkerung auf zeitgenössischen, pseudowissenschaftlichen Rassentheorien, die vom eurozentrischen Konzept einer ‚europäischen Überlegenheit‘ ausgingen. Das im Jahre 1897 von Leopold II. gegründete Musée Royal de l’Afrique Central (MRAC) fachte diese Debatte mit massiven Auswirkungen auf die belgische Gesellschaft weiter an, da das Museum den einzigen Bezugspunkt vieler BelgierInnen zur afrikanischen Kolonie darstellte.

Das Musée Royal de l’Afrique Centrale wurde 1897 als Propaganda-Instrument durch Leopold II. gegründet. Bis heute sorgt das Museum wegen der ausgestellten Objekte für reichlich Diskussion (CC Platonides)

Das MRAC nahm (und nimmt bis heute) in Bezug auf die Propagierung von Afrika-Bildern eine durchaus zweifelhafte Position ein, da es innerhalb der Ausstellungen versuchte, die Brutalität des Kolonialismus’ zu verharmlosen und die Anwesenheit der BelgierInnen im Congo belge zu rechtfertigen: Die KongolesInnen wurden als geschichtslose, ‚wilde‘ ‚Barbaren‘ inszeniert, die erst durch Leopolds II. ‚Heroismus‘ zur ‚Zivilisation‘ gelangen konnten. Ziel dieser geschichtspolitischen Propaganda war es, die brutalen Folgen der Kolonisation im EIC unter Leopold II. zu relativieren, um die Kolonialherrschaft im Congo belge weiterhin rechtfertigen zu können.

Doch auch abseits des MRAC wurde Leopolds II. Ansehen nachträglich korrigiert und in der kollektiven belgischen Erinnerung positiv umgewandelt: In den 1920er- und 1930er-Jahren wurden dem verstorbenen belgischen König zu Ehren zahlreiche Denkmäler erbaut, darunter das Reiterstandbild in der belgischen Hauptstadt Brüssel am Place du Trône (1926) oder das Monument an der Strandpromenade im belgischen Seebad Ostende (1931).

Das Reiterstandbild von Leopold II. an der Place du Trône in Brüssel (CC Panoramio)

 

Die ‚pax belgica‘ als ‚Modellkolonie‘

In der Folge wurde die Überzeugung, dass Belgien das ‚Werk‘ Leopolds II. weiterführen müsse, von vorwiegend von der wallonischen Bevölkerung getragen, während die herrschende Meinung in Flandern gegenüber den belgischen Kolonialbesitztümern noch immer kritisch eingestellt war. In Flandern dominierte eine grundsätzliche Ablehnung des frankophonen Königshauses sowie der Unmut in Bezug auf die Bevorzugung der französischen Sprache bei der Kolonisierung des Congo belge. Nichtsdestotrotz entwickelte sich in Belgien eine paternalistische Grundhaltung, wonach Belgien die ‚wilden‘ KongolesInnen auch weiterhin ‚zivilisieren‘ müsse. Die Kolonisation wurde in der staatlichen Kolonialpresse, in der Literatur und im populär werdenden Kino als ‚exotische‘, ‚abenteuerliche‘ und ‚harmonische‘ Unternehmung verklärt. Auch der bekannte Comic-Zeichner Hergé beteiligte sich mit seinem Werk Tintin au Congo (1931) an der kolonialen Propaganda: Die stark stereotypisierte Darstellung der KongolesInnen und der paternalistische Umgang Tintins mit den Bewohnern der Kolonie beeinflussten das Kongo-Bild der belgischen Gesellschaft bis in die 1950er-Jahre.

Das Titelbild des Comics Tintin au Congo von Hergé (CC Gundan)

Das Bild der ‚pax belgica‘ entstand, die sich als selbstinszenierte ‚Modellkolonie‘ an der wirtschaftlichen ‚Entwicklung‘ des afrikanischen Kontinents beteiligte.

Die Realität im Congo belge sah während der 1930er- und 1940er-Jahre allerdings anders aus: Auch, wenn die Weltwirtschaftskrise die belgischen Aktivitäten in der Kolonie kurzzeitig bremste, wuchs der Bedarf an Rohstoffen im ‚Westen‘ beträchtlich an. Der belgische Staat profitierte enorm von der immensen Nachfrage: Der Abbau der Rohstoffe erfolgte landesweit unter der Aufsicht der UMHK, die weiterhin die Wirtschaft des Congo belge dominierte und die kongolesischen ArbeiterInnen unter widrigen Arbeitsbedingungen und meist ohne geregeltes Einkomme ausbeutete. An erster Stelle stand der wirtschaftliche Profit. Die Kolonialverwaltung des Congo belge belieferte u.a. auch das US-amerikanische Verteidigungsministerium mit Uran, das die US-Amerikaner im Rahmen des Manhattan-Projektes zum Bau der Atombomben von Hiroshima (6. August 1945) und Nagasaki (9. August 1945) verwendeten.

 

Kulturelle Unterdrückung durch die belgische Fremdherrschaft

Die KongolesInnen erfuhren während der belgischen Kolonialherrschaft darüber hinaus auch eine kulturelle Unterdrückung: Einheimische Religionen, regionale Kulturen und lokale Traditionen wurden von der Kolonialverwaltung oftmals verboten oder stark eingeschränkt. Das von Missionaren geprägte Schulsystem war rudimentär ausgeprägt und sah lediglich eine Ausbildung der KongolesInnen auf Grundschul-Niveau vor. Der Besuch von weiterführenden Schulen oder der Universität Lovanium, die 1954 in Leopoldville gegründet wurde, war lediglich den weißen Kolonialisten vorbehalten. Die urbanen Zentren wie Leopoldville oder Elisabethville wurden zweigeteilt: In den noblen Innenstädten wohnten die belgischen Kolonisatoren, während die indigene Bevölkerung der Kolonie in sogenannten ‚Eingeborenenviertel‘ unter z.T. prekären Bedingungen leben musste.

Die praktizierte ‚Rassentrennung‘ betraf bis zum Ende der 1950er-Jahre v.a. den kolonialen Alltag: Der Besuch von Kino-Vorführungen oder bestimmten Restaurants sowie der Kauf von Spirituosen wurden den indigenen Kongolesen untersagt. Sofern kongolesische Angestellte ein Gehalt für ihre Arbeit bezogen, erhielten sie stets einen Bruchteil des Entgelts, das ein ‚weißer‘ Arbeiter in der gleichen Position verdiente. Darüber hinaus waren rassistische Beleidigungen, körperliche Misshandlungen und Vergewaltigungen Teil des täglichen Lebens.

 

Protest und Widerstand ebnen den Weg für die Unabhängigkeit

Innerhalb der kongolesischen Bevölkerung entwickelte sich zunehmender Widerstand gegen die verschiedenen Formen der kolonialen Unterdrückung: Nach vereinzelten Arbeiteraufständen, die regional ab den 1910er-Jahren auftraten, äußerten Intellektuelle wie Paul Panda Farnana (1888-1930) oder Kleriker wie Simon Kimbangu (1889-1951) den Wunsch nach sozialer Gleichbehandlung, kultureller Freiheit und politischer Selbstbestimmung.

Patrice Lumumba (1925-1961), Mitbegründer der Partei Mouvement National Congolais (CC Harry Pot, ANEFO)

Zunächst reagierte die Kolonialverwaltung mit Ablehnung gegenüber dem sich formierenden Widerstand. Doch mit dem Beginn der 1950er-Jahre war Belgien durch den größer werdenden politischen Druck zu Zugeständnissen gezwungen: Zunächst wurde das Eigentumsverbot für KongolesInnen aufgehoben. Dies führte in Verbindung mit der fortschreitenden Industrialisierung und der Verstädterung zur Bildung einer kleinen kongolesischen Mittelschicht, die über wirtschaftliches Kapital verfügte. Darüber hinaus konnten anpassungswillige KongolesInnen die Aufnahme in den Kreis der evolués beantragen und in den Genuss von gesellschaftlichen Privilegien kommen. Die Anwärter mussten im Hinblick auf Mode, Manieren, Wohnen und Sprache den Beweis erbrachten, dass sie sich besonders ‚angepasst‘ – d.h. ‚europäisch‘ – verhielten. Gemeinsam mit der Etablierung eines indigenen Klerus’ entwickelte sich eine kongolesische Elite, die zunehmend politisch aktiv wurde. Kongolesische Aktivisiten wie die Conscience Africaine kritisierten die vorherrschende Rassendiskriminierung und das ausbeuterische Wirtschaftssystem. Der politische Druck auf die Kolonialverwaltung stieg somit weiter an, sodass Belgien im Jahre 1958 die Gründung von politischen Vereinigungen in der Kolonie ‚erlaubte‘.

 

Joseph Kasavubu (1910-1969), Mitbegründer der Partei Alliance des Bakongo (CC ANEFO)

Zu den ersten gegründeten Parteien zählten der Mouvement National Congolais (MNC) von Patrice Lumumba (1925-1961) und die Alliance des Bakongo (ABAKO) von Joseph Kasavubu (1910-1969), die in Bezug auf die Erreichung der kongolesischen Unabhängigkeit am 30. Juni 1960 eine Schlüsselrolle einnehmen sollten.

- Von Julien Bobineau, Julius-Maximilans-Universität Würzburg -

 

Leopold II. und der Etat indépendant du Congo (1876-1908)

Die heutige Demokratische Republik Kongo mit ihrer Hauptstadt Kinshasa ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eng mit dem Königreich Belgien verbunden. Ein wesentlicher Grund hierfür ist die belgische Kolonisierung der Gebiete in Subsahara-Afrika, die unter König Leopold II. (1835-1909) ihren Anfang nahm und vom belgischen Staat ab 1908 fortgeführt wurde. Leopolds II. selbsterklärtes Ziel war es, dem noch jungen belgischen Königreich zu mehr politischem Einfluss in Europa zu verhelfen. Für die indigene Bevölkerung waren die Auswirkungen seines Handelns allerdings fatal: In Folge von Sklaverei, Folter, Unterernährung oder Mord verstarb zwischen 1876 bis 1908 etwa die Hälfte der 20 Millionen KongolesInnen.

 

Die Landung der Portugiesen im Kongo-Becken

Bereits lange vor der Gründung des Kongo-Freistaates durch Leopold II. landeten portugiesische Seefahrer am Ende des 15. Jahrhunderts an den Küstengebieten rund um die Mündung des Kongo-Flusses. Portugal unterhielt zunächst gute Handelsbeziehungen zu lokalen afrikanischen Machthabern, die über Jahrhunderte hinweg im Kongo-Becken funktionierende politische, wirtschaftliche und soziale Gesellschaftsordnungen etabliert hatten. König Nzinga Mbemba Afonso I. (ca. 1456-1543), Herrscher über das küstennahe Kongo-Königreich, hatte gar so gute Beziehungen zu Portugal, dass er sich nach seiner Krönung 1506 freiwillig christlich taufen ließ. Im Zuge der diplomatischen Zusammenarbeit entstanden erste Handelsposten, die den portugiesischen Handelsleuten den Weg für den Transatlantischen Dreieckshandel ebnen sollten. Doch im Zuge der zunehmenden kolonialen Landnahme der Portugiesen wurde das Verhältnis zwischen den Europäern – mittlerweile waren auch britische, französische und niederländische Händler im Bereich des Kongo-Beckens aktiv – und den lokalen Eliten im Kongo-Becken zunehmend schlechter. Erste Widerstände gegen die koloniale Fremdherrschaft deuteten sich an, z.B. in Person von Kimpa Vita (1684-1706), die die Europäer mit einer afrozentrischen Auslegung des christlichen Glaubens verärgerte.

 

Der ‚Wettlauf um Afrika‘ im 19. Jahrhundert

Das Kongo-Königreich wurde am Ende des 17. Jahrhunderts schließlich militärisch von den Portugiesen zerschlagen, während man die küstennahen Gebiete kolonial verwaltete und bis zum Beginn des 19. Jahrhundert weiterhin – u.a. auch mit der Hilfe afrikanischer Zwischenhändler – Sklaven aus dem Kongo-Becken in Richtung der Amerikas verschiffte. Parallel hierzu breitete sich in Ost- und Zentralafrika der afroarabische Sklavenhandel aus, mit Handelsrouten nach Asien und auf die Arabische Halbinsel. Das konstruierte Feindbild des ‚sklaventreibenden Arabers‘ diente den europäischen Mächten fortan als Legitimierung, das aus europäischer Sicht noch ‚unerschlossene‘ Landesinnere des afrikanischen Kontinents zu ‚erkunden‘. Zahlreiche ‚Entdecker‘ bereisten den afrikanischen Kontinent, darunter bspw. Johannes Rebmann (1820-1876), Pierre Savorgnan de Brazza (1852-1905) oder David Livingstone (1813-1873).

 

 

 

 

 

 

David Livingstone (1813-1873), schottischer Missionar und ‚Afrikaforscher‘ (Public Domain)

Letzterer kehrte im Jahre 1869 nicht mehr von einer Expedition in Zentralafrika zurück. Ein Jahr später entsandte der US-amerikanische Herausgeber James Gordon Bennett Jr. (1841-1918) den britisch-amerikanischen Journalisten Henry Morton Stanley (1841-1904), um den verschollen geglaubten Livingstone ausfindig zu machen.

Henry Morton Stanley (1841-1904), britisch-amerikanischer Journalist und ‚Afrikaforscher‘ (Public Domain)

Bennett erhoffte sich hohe Zeitungsauflagen durch die Veröffentlichung von Stanley Reiseberichten, der Livingstone 1871 im heutigen Tansania schließlich aufspüren konnte.

Leopold II. (1835-1909), König der Belgier von 1865-1909 (Public Domain)

In Belgien verfolgte Leopold II. Stanleys Berichte aus Subsahara-Afrika mit großem Interesse. Der Wunsch, eigene Kolonien in Übersee zu besitzen, beschäftigten den jungen Monarchen schon im Kindesalter. Bereits Leopolds II. Vater und der erste König der Belgier, Leopold I. (1790-1865), strebte seit der Staatsgründung Belgiens im 1830 nach kolonialen Besitztümern und richtete hierfür im Jahre 1841 die Compagnie Belge de Colonisation ein. Während Leopolds I. Berater eindringlich vor den hohen Kosten für die koloniale Unternehmung warnten, erschien auch das Interesse der belgischen Bevölkerung an Kolonialaktivitäten als sehr gering. Zu groß waren der Zukunftsoptimismus und die Hoffnung auf Wohlstand, Fortschritt und politische Selbstbestimmung im eigenen Land, als dass BelgierInnen in diesen jungen Jahren des belgischen Staates an eine Auswanderung in mögliche belgische Kolonien dachten. Leopold I. ließ sich dennoch nicht von seinen Plänen abbringen: unter strengster Geheimhaltung sondierte er mögliche koloniale Territorien im Pazifik und in Afrika im Alleingang. Sein Tod im Jahre 1865 stoppte die koloniale Unternehmung des belgischen Königshauses für einige Jahre, ehe Leopold II. auch außenpolitisch das Zepter seines Vaters übernehmen sollte. Begeistert von den abenteuerlich anmutenden Geschichten der unzähligen Afrika-Reisenden und ‚Entdecker‘, darunter eben auch Stanley, träumte der belgische König von der Fortführung des kolonialen Projektes seines Vaters. Leopold II. sah in den kolonialen Erwerbungen ein probates Mittel, um dem kleinen und jungen belgischen Staat zu mehr politischer Macht in Europa verhelfen zu können. Doch inmitten des ‚Wettlaufes um Afrika‘, der sich bereits zu Beginn der 1870er Jahre v.a. zwischen Großbritannien, Frankreich, Portugal und später auch Deutschland abspielte, erschien ein unkluges Eingreifen des belgischen Monarchen in koloniale Belange als äußerst gefährlich. Als geschickter Diplomat suchte Leopold II. deshalb nach politischen Lösungen und setzte auf den europäischen Dialog, um den Erwerb von Kolonien international legitimieren zu können. So richtete Leopold II. im Jahre 1876 die Conférence Géographique de Bruxelles aus, im Zuge derer sich hochrangige europäische Politiker, Militärs und Wissenschaftler in Brüssel einfanden, um über die Zukunft Zentralafrikas zu diskutieren. Afrikanische Beteiligte aus den betroffenen Regionen waren nicht eingeladen und verfügten über keinerlei Mitspracherecht. Als unmittelbare Konsequenz wurde im Rahmen der Konferenz die Association Internationale pour l’Exploration et la Civilisation de l'Afrique Centrale (AIA) mit Leopold II. als Vorsitzendem gegründet, die fortan die Entwicklung Afrikas unter vorgeblich philanthropischen Gesichtspunkten, die Errichtung einer Freihandelszone und die Bekämpfung des afroarabischen Sklavenhandels zum Ziel hatte.

 

Die Berliner Kongo-Konferenz: Der Etat indépendant du Congo entsteht

1878 trafen Leopold II. und Stanley erstmals persönlich aufeinander, woraufhin der belgische König den britisch-amerikanischen Journalisten als königlichen Berater einstellte. Stanley sollte fortan Siedlungen und Handelsposten in Zentralafrika errichten, Teile des Kongo-Flusses schiffbar machen und Verträge mit lokalen Herrschern schließen, um die Gebiete der heutigen Demokratischen Republik Kongo für Leopold II. in Besitz zu nehmen. Doch Stanleys Praktiken waren brutal: Viele Gebiete wurden von Stanleys Expeditionstruppen militärisch erobert und rücksichtslos geplündert. Dies führte zu hohen Opferzahlen auf Seiten der kongolesischen Indigenen, die oftmals von der hohen Feuerkraft der europäischen Waffen überrascht wurden. Die vertragliche Landnahme ist aus heutiger Sicht zudem rechts- bzw. sittenwidrig, da die allermeisten lokalen kongolesischen Machthaber die Vertragswerke weder lesen, noch unterschreiben konnten. Mit diesen Methoden hatte Stanley bis zum Jahre 1884 hatte Stanley ein Territorium in Besitz nehmen können, dass der 75-fachen Größe des belgischen Staatsgebiets entsprach. Um den offiziellen Erwerb dieser ‚Freihandelszone‘ auf europäischer Ebene legitimieren zu können, regte Leopold II. die Ausrichtung einer weiteren geographischen Konferenz an, die im Jahre 1884/85 als Kongo-Konferenz in Berlin unter der Leitung des deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck stattfand.

Auf der Berliner Kongo-Konferenz (1884/85) teilten die europäischen Großmächte den afrikanischen Kontinent mit dem Lineal untereinander auf. AfrikanerInnen waren nicht an den Verhandlungen beteiligt (Public Domain)

Die europäischen Großmächte verständigten sich hierbei auf die Aufteilung der übrig gebliebenen, noch ‚unerschlossenen‘ Gebiete Afrikas – erneut ohne afrikanische Beteiligung. Leopold II., der in Belgien mit einer grundsätzlichen Ablehnung von Kolonien auf Seiten der belgischen Bevölkerung zu kämpfen hatte, ging als Gewinner aus der Konferenz hervor: der Privatbesitz der kolonialen Gebiete in Zentralafrika wurde von den europäischen Großmächten schließlich akzeptiert, sodass der Etat Indépendant du Congo (EIC) im Frühjahr 1885 offiziell gegründet wurde – ohne, dass Leopold II. je selbst einen Fuß auf afrikanischen Boden gesetzt hatte. Der Status der Privatkolonie erlaubte es dem König, ohne Rücksprache mit der belgischen Regierung oder dem belgischen Parlament über den EIC regieren zu können.

Karte des Etat indépendant du Congo (1950) mit Distriktzonen im Jahre 1888 (CC Institut Royal Colonial Belge)

 

Die Kongo-Gräuel

Trotz der anfänglichen politischen Erfolge offenbarte Leopolds II. koloniales ‚Projekt‘ aus wirtschaftlicher Sicht zunächst einige Schwierigkeiten: die ‚Erschließung‘ der z.T. schwer erreichbaren Gebiete sowie die Rekrutierung von europäischen Kolonialbeamten und -militärs sowie geistliche Missionare stellten Leopold II. vor finanzielle Herausforderungen. Leopolds II. Vorhaben drohte deshalb zu Beginn der 1890er Jahre aufgrund der sehr hohen Investitionssummen in den Bereichen Personal und Infrastruktur zu scheitern. Zudem formierte sich mit der britischen Aborigines’ Protection Society (APS) ab 1888 eine Protestbewegung, welche die rücksichtlose Ausbeutung, Unterdrückung und Ermordung der kongolesischen Indigenen öffentlich anprangerte. Doch der aufkommende ‚Kautschuk-Boom‘ wurde zum wirtschaftlichen Wendepunkt und ließ die Kolonie in den Folgejahren v.a. durch den flächendeckenden Einsatz von Zwangsarbeit profitabel erscheinen: Die stark wachsende Automobilindustrie sowie die Elektrifizierung der ‚westlichen‘ Metropolen verlangte nach Kautschuk, um Autoreifen und Isolierungen produzieren zu können. Durch die günstigen klimatischen Bedingungen verfügte der EIC über besonders viele der natürlich gewachsenen Kautschuk-Bäume, deren getrockneter Saft als Rohstoff zur Weiterverarbeitung diente. Um den Hunger des Weltmarktes zu stillen, etablierte Leopolds II. Kolonialverwaltung ein perfides System der Ausbeutung, das heute als ‚Kongo-Gräuel‘ bezeichnet wird: Soldaten der neu gegründeten Force Publique – einer Kolonialarmee, die sich aus indigenen Rekruten und belgischen Offizieren zusammensetzte – plünderten ganze Dörfer und nahmen Frauen, Kinder und Dorfälteste gefangen. Die Gefangenen wurden erst dann wieder freigelassen, wenn die arbeitsfähigen Männer des Dorfes eine festgelegte Quote an Kautschuk gesammelt hatten. Sofern sich ein Mann weigerte, Kautschuk zu sammeln, wurden Geiseln getötet. Die Bedingungen der Geiselhaft waren schlecht, auch, weil die Force Publique mit grausamer Regelmäßigkeit Folter, Misshandlungen und Vergewaltigungen praktizierte.

Die Nilpferdpeitsche – hier eingesetzt von einem Soldaten der Force Publique – war ein gefürchtetes Instrument zur ‚Züchtigung‘ der kongolesischen Bevölkerung (Public Domain)

Die chicotte, eine Peitsche aus Nilpferdleder, wurde in dieser Zeit landesweit zum Symbolbild der brutalen Kolonialherrschaft. Als weiteres Symbol der körperlichen Unterdrückung ist das Bild der ‚abgeschlagenen Hände und Füße‘ zu betrachten: Kongolesische Soldaten der Force Publique mussten ihren belgischen Offizieren für jede ausgeteilte Gewehrpatrone die Hand eines Getöteten als Beweis dafür liefern, dass sie mit der Patrone auf flüchtige KongolesInnen geschossen hatten. Hierdurch sollte verhindert werden, dass die Soldaten mit ihren Gewehren jagen gingen oder Munition für einen möglichen Aufstand gegen die Offiziere zurückhielten. Um dennoch ‚frei‘ über Munition verfügen zu können, trennten einige Soldaten der Force Publique die Hände und Füße ihrer lebenden Landsleute ab, räucherten sie und legten diese ihren Offizieren vor.

Soldaten der Force Publique schlugen lebenden KongolesInnen Hände und Füße ab, um diese bei den belgischen Offizieren gegen Munition einzutauschen (Public Domain)

Eine Kongolesin mit abgeschlagenem Fuß um das Jahr 1905 (Public Domain)

Neuere wissenschaftliche Studien gehen davon aus, dass während Leopolds II. Regentschaft im EIC ca. die Hälfte der 20 Millionen indigenen EinwohnerInnen des Kongo an den Folgen von Zwangsarbeit, Folter und Unterdrückung starben. In Belgien sorgte Leopold II. allerdings für ein positives Image seiner kolonialen Unternehmung: Die von ihm kontrollierte Kolonialpresse berichtete in idyllischen Nachrichten aus der Kolonie, während das Musée Royal de l’Afrique Centrale ab der 1897 den philanthropischen Auftrag der ‚Zivilisierungsmission‘ im EIC und die angebliche ‚Höherwertigkeit‘ der europäischen Kultur unterstreichen sollte.

 

Die Congo Reform Association als internationale Protestbewegung

Der internationale Protest wuchs jedoch immer weiter an, spätestens nachdem der britisch-polnische Schriftsteller Joseph Conrad (1857-1924) den kolonialen Alltag in seiner bekannten Novelle Heart of Darkness (1899) detailliert schilderte. Conrads Werk diente daraufhin dem britischen Journalisten Edmund D. Morel (1873-1924) und dem irischen Diplomaten Roger Casement (1864-1916) im Jahre 1904 als Anstoß für die Gründung der Congo Reform Association (CRA).

Edmund D. Morel (1873-1924), Mitbegründer der Congo Reform Association

Roger Casement (1864-1916), Mitbegründer der Congo Reform Association

Morel und Casement setzten sich dabei für die Rechte der indigenen BewohnerInnen des EIC ein, kritisierten Leopolds II. Kolonialpraxis und forderten die Abschaffung des ausbeuterischen Systems. Das öffentliche Engagement der CRA gilt heute als erste Menschenrechtskampagne des 20. Jahrhunderts und zwang den belgischen König dazu, eine offizielle Untersuchungskommission einzusetzen, deren Arbeit allerdings wirkungslos blieb. Dennoch debattierte das belgische Parlament in der Folge darüber, die Privatkolonie aus Leopolds II. Händen zu übernehmen und in das belgische Staatsgebiet einzugliedern. Aufgrund des internationalen öffentlichen Drucks sah sich Leopold II. im Jahre 1908 schließlich gezwungen, den EIC zu übergeben – allerdings nicht kostenfrei: Belgien verpflichtete sich zur Zahlung einer Geldsumme an Leopold II. und zur Tilgung der Schulden, die der König für die Umsetzung seiner Bauvorhaben im EIC verursacht hatte.

Die Situation der indigenen Bevölkerung schien sich durch die Übernahme Belgiens anfänglich zu verbessern: 1908 verabschiedete die belgisch Kolonialregierung die Chartre coloniale, eine Art ‚koloniale Verfassung‘, die den Aufbau der Kolonie staatsrechtlich regelte, allerdings keine Beteiligung kongolesischer Entscheidungsträger vorsah. Zwei Jahre später wurde die Sklaverei schließlich per Dekret verboten. Die koloniale Unterdrückung, der Alltagsrassismus, die Verdrängung kultureller Werte und die wirtschaftliche Ausbeutung der kongolesischen Rohstoffvorkommen wurden im Congo belge jedoch weiterhin fortgeführt.

- Von Julien Bobineau, Julius-Maximilans-Universität Würzburg -

 

Weiterführende Literatur:

Andersen, Frits (2016). The Dark Continent? Images of Africa in European Narratives about the Congo, Aarhus: Aarhus University Press.

Catherine, Lucas (2010). Promenade au Congo. Petit guide anticolonial de Belgique, Brüssel: Aden.

Emerson, Barbara (1979). Leopold II of the Belgians. King of Colonialism, London: Weidenfeld and Nicolson.

Gann, Lewis H. (1979). The rulers of Belgian-Africa 1884-1914, Princeton: Princeton University Press.

Gehrmann, Susanne (2003). Kongo-Greuel. Zur literarischen Konfiguration eines koloni-alkritischen Diskurses (1890-1910), Hildesheim: Olms.

Goonetilleke, D.C.R.A. (2007). Joseph Conrad’s Heart of Darkness, Abingdon/New York: Routledge.

Hochschild, Adam (1998). King Leopold’s Ghost. A Story of Greed, Terror, and Heroism in Colonial Africa, Boston u.a.: Houghton Mifflin.

Pakenham, Thomas (1991). The Scramble for Africa 1876-1912, New York: Random House.

Poncelet, Marc (2008). L’invention des sciences coloniales belges, Paris: Karthala.

Stengers, Jean (1972). „King Leopold’s Imperialism“, in: Roger Owen/Bob Sutcliffe (Hg.). Studies in the Theory of Imperialism, London: Longman, S.248-276.

Vangroenweghe, Daniel (2010 [1985]). Du sang sur les lianes. Léopold II et son Congo, überarbeitete Neuauflage, Brüssel: Aden.

Vanthemsche, Guy (2007). Nouvelle Histoire de Belgique. La Belgique et le Congo. Empreintes d’une colonie 1885-1980, Bd.4, mit einem Vorwort von Jean-Luc Vellut, Brüssel: Complexe.

Unesco-Weltkulturerbe in Brüssel!

UNESCO-Weltkulturerbe in Brüssel!

Brüsseler Ommegang auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes

Der Brüsseler Ommegang ist nun offiziell auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO. Dies machte die UNESCO am Abend vom 11. Dezember bekannt.

Die Region Brüssel-Hauptstadt reichte im März 2017 offiziell die Kandidatur für die Aufnahme des Ommegang in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit ein, welche die UNESCO zusammengestellt hat.

Der Ursprung des volkstümlichen Umzugs geht auf das Mittelalter zurück, der moderne Ommegang wurde allerdings 1930 ins Leben gerufen, und zwar auf Grundlage von Beschreibungen des historischen Umzugs. Bei diesem Umzug durfte jeder, der sich in der Brüsseler Gesellschaft möglichst einen Namen gemacht hatte, auf der Grand-Place/dem Grote Markt mitmarschieren. Der Ommegang stellt Brüssels ältestes historisches Spektakel dar.

Bis zu 1.400 Darstellern marschieren bei diesem Umzug, welcher die Regierungszeit von Karl dem V. im 16. Jahrhundert wiederaufleben lässt, mit. Kaiser Karl war selbst einer der Anwesenden beim Ommegang 1549, der anlässlich der Einführung seines Sohnes stattfand - des späteren Königs Philipp II.

Das Organisationsteam von Ommegang reagiert allenfalls zufrieden. „Wir sind sehr stolz auf diese Anerkennung“, so Paul Le Grand, Vorsitzender von Ommegang Brussels Events.

Der Brüsseler Ommegang ist nicht mit dem Umzug des Wunderross' Bayard in Dendermonde (Ros Beiaard) und den vier Haimonskindern (Vier Heemskinderen) zu verwechseln. Dieser Ommegang steht bereits länger auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.

Der Ommegang in Brüssel 1930. Foto von Jacques Hersleven © KIK-IRPA, Brussels (Belgium), cliché E017749

 


 

Quelle: De Standaard, https://www.standaard.be/cnt/dmf20191211_04762019 [12.12.2019]

 

Übersetzung und Redaktion: Donato Morelli/Yves Huybrechts